Patient:innenpfade statt neuer Insellösungen: Warum die Zukunft der Versorgung in der Vernetzung liegt

Eine Stellungnahme von Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM), zum Interview des Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer und ein konstruktiver wissenschaftlicher Beitrag der ÖGIM zur aktuellen Diskussion über Fachärzt:innenzentren, Tagesmedizin und die Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung.

Ein Mann mit grauen Haaren in Anzug und Krawatte schaut in die Kamera.

Aus aktuellem Anlass

Die Diskussion über die zukünftige Organisation der ambulanten Versorgung hat neue Dynamik gewonnen. Im aktuellen Interview des Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer in RELATUS Med werden unter anderem der Ausbau von Fachärzt:innenzentren und der Tagesmedizin als wichtige Bausteine für die Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems vorgeschlagen. Diese Überlegungen leisten einen wertvollen Beitrag zur aktuellen gesundheitspolitischen Debatte.

Die Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) begrüßt diese Diskussion ausdrücklich. Gleichzeitig möchten wir einen Aspekt besonders hervorheben: Entscheidend ist aus unserer Sicht in erster Linie nicht, wo Patient:innen behandelt werden, sondern wie ihre Versorgung über alle Sektoren hinweg organisiert wird.

Neue Strukturen allein lösen die Herausforderungen unseres Gesundheitssystems nicht. Gerade chronisch kranke und multimorbide Menschen benötigen keine Aneinanderreihung einzelner Versorgungseinrichtungen, sondern eine koordinierte Betreuung entlang des gesamten Behandlungspfades.

Patient:innenpfade bieten Orientierung

Genau hier setzt die ÖGIM seit mehreren Jahren an. Gemeinsam mit den wissenschaftlichen Schwerpunktgesellschaften entwickeln wir evidenzbasierte Patient:innenpfade. Sie definieren medizinische Standards und beschreiben zugleich die Zusammenarbeit zwischen Hausärzt:innen, Fachärzt:innen, Ambulanzen und Krankenhäusern.

Patient:innenpfade schaffen Orientierung für Patient:innen, verbessern die Kommunikation zwischen den Versorgungsebenen, vermeiden unnötige Doppeluntersuchungen und tragen dazu bei, personelle und finanzielle Ressourcen effizient einzusetzen.

Vor diesem Hintergrund können auch Fachärzt:innenzentren einen wichtigen Beitrag leisten. Ihr Nutzen hängt jedoch nicht von der Organisationsform allein ab. Sie entfalten ihren Mehrwert nur dann, wenn sie in koordinierte Versorgungsketten eingebettet sind und bestehende Strukturen sinnvoll ergänzen.

Patient:innenpfade sind aus Sicht der ÖGIM kein Selbstzweck. Sie bilden die Grundlage für eine moderne, sektorenübergreifende Versorgung und können wesentlich dazu beitragen, knappe personelle und finanzielle Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für unsere Patient:innen bringen.

Die ÖGIM als Mitgestalterin des österreichischen Gesundheitssystems

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft sehen wir es als unsere Aufgabe, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Wir werden daher die Erarbeitung weiterer Patient:innenpfade konsequent vorantreiben und unsere Expertise weiterhin in die gesundheitspolitische Diskussion einbringen.

Die Zukunft der Inneren Medizin entscheidet sich nicht allein an neuen Strukturen. Sie entscheidet sich daran, ob es gelingt, die Versorgung intelligent zu vernetzen. Unser gemeinsames Ziel muss eine hochwertige, patient:innenzentrierte, evidenzbasierte und nachhaltige internistische Versorgung in Österreich sein.